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Beschusswesen


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  Organisation
In Schleswig-Holstein gehört das Beschusswesen zum Geschäftsbereich der Eichdirektion Nord in Kiel mit der Beschussstelle  Eckernförde. Die Eichdirektion Nord wurde am 1. Januar 2004 als rechtsfähige Anstalt öffentlichen Rechts von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein errichtet. Weitere Beschussämter gibt es in Ulm (Baden-Württemberg), München und Mellrichstadt (Bayern), Hannover (Niedersachsen), Köln (Nordrhein-Westfalen) und Suhl (Thüringen).
Rechtsgrundlagen
Der Waffenbeschuss ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Gesetzgebungskompetenz für das Waffen- und Beschussrecht liegt beim Bund. Der Beschuss kann ausschließlich durch die Beschussbehörden der Länder erfolgen. Diese stützen sich bei ihrer Tätigkeit insbesondere auf folgende bundesgesetzliche Regelungen:
  • Waffengesetz und Beschussgesetz
  • Verordnungen zum Waffen- und zum Beschussgesetz
  • Maßtafeln für Handfeuerwaffen und Munition
  • Bekanntmachungen von Bezeichnungen für Patronenmunition

  Zweck der beschussrechtlichen Vorschriften
Die Beschussprüfung ist eine rein sicherheitstechnische Prüfung. Der zivile Benutzer von Jagd-, Sport- und Verteidigungswaffen soll vor Gefahren geschützt werden, die aus einer mangelhaften Beschaffenheit der Waffen entstehen können. Es sollen u.a. Laufsprengungen, ungewollte Schussauslösung, bei mehrläufigen Waffen gleichzeitiges Auslösen mehrerer Schüsse, seitlich austretende Pulvergase, Funktionsstörungen oder das Laden der Waffe mit ungeeigneter Munition ausgeschlossen sein.

Beschusspflichtige Waffen
  • Langwaffen (Büchsen, Flinten)
  • Kurzwaffen (Pistolen, Revolver, Derringer)
  • Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen
  • Böller, Salutkanonen und Kanonen zum sportlichen Schießen
  • Einsteckläufe, Wechselläufe, Austauschläufe, Wechseltrommeln

Beschussprüfung
Die Beschussprüfung umfasst: Prüfung auf Haltbarkeit, Funktionssicherheit, Maßhaltigkeit und Vorhandensein der vorgeschriebenen Kennzeichnungen (z.B. eindeutige Kaliberangabe).
Die Prüfung auf Haltbarkeit - der so genannte Beschuss - wird mit Beschussmunition vorgenommen, die einen um 30 % höheren Gasdruck als die für die Waffe vorgesehene Gebrauchsmunition entwickelt. 
 

Aufgaben der nach dem Beschussgesetz zuständigen Behörden
  • Beschussprüfungen
  • Zulassung von Patronenmunition
  • Waffentechnische Gutachten
  • Beratung von Herstellern und Büchsenmachern in Fragen des technischen Waffenrechts
Im Zusammenhang damit stehen u.a. folgende messtechnische Aufgaben: Geometrische Vermessung von Patronenlagern und Läufen, Gasdruckmessungen an Gebrauchs- und Beschussmunition, Messung von Geschossgeschwindigkeiten und Ermittlung von Geschossenergien.

Kennzeichnung
Beschossene Waffen tragen folgende Kennzeichen:
Bundesadler mit einem zusätzlichen Kennbuchstaben als Beschusszeichen (z.B. N - normaler Beschuss, V - verstärkter Beschuss, SP - normaler Beschuss mit Schwarzpulver, I - Instandsetzungsbeschuss, B - Böllerbeschuss),
  • Ortszeichen des jeweiligen Beschussamtes (z.B. Kiel: Nesselblatt),
  • die letzten beiden Ziffern des Beschussjahres (auch in verschlüsselter Form).
Auf Vorderladern sowie auf Böllern, Salutkanonen und Kanonen zum sportlichen Schießen wird zusätzlich die maximal zulässige Gebrauchsladung in Gramm für Pulver (SP) und Vorlage angegeben.

Beschusszeichen Bund Ortszeichen Kiel Prüfzeichen Kiel für Munition 
 
N
   


C.I.P.
Das deutsche technische Waffenrecht muss regelmäßig an internationale Vereinbarungen angepasst werden. Grundlage sind die Beschlüsse der Ständigen Internationalen Kommission zur Prüfung von Handfeuerwaffen (Commission Internationale Permanente pour l'Epreuve des Armes à Feu portatives, C.I.P). Die Bildung der C.I.P. geht auf eine im Jahr 1914 auch von Deutschland unterzeichnete internationale Konvention zurück. Aufgabe der C.I.P. ist es insbesondere,
  • Messverfahren für Waffen und Munition festzulegen,
  • Maße für Patronenlager und Patronenmunition zu vereinheitlichen.


Beschussrat
In technischen Fragen des Waffenrechts wird das federführende Bundesministerium des Innern von einem ehrenamtlich tätigen Beschussrat gutachterlich unterstützt. Im Beschussrat sind vertreten: Behörden (Beschussbehörden der Länder, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung, Bundeskriminalamt), Deutsche Versuchsanstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V., Deutsches Institut für Normung e.V., Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Verbände der Hersteller und Importeure von Schusswaffen und Munition sowie des Büchsenmacherhandwerks.

Waffen- und munitionstechnische Begriffe
Schusswaffen: Gegenstände, die zum Angriff, zur Verteidigung, zum Sport, Spiel, zur Signalgebung, zur Betäubung oder zur Jagd bestimmt sind und bei denen Geschosse durch einen Lauf getrieben werden
Böller: Geräte, die ausschließlich zur Erzeugung eines Schussknalls bestimmt sind
Automatische Schusswaffen: Schusswaffen, die nach Abgabe eines Schusses selbsttätig erneut schussbereit werden und bei denen aus demselben Lauf durch einmalige Betätigung des Abzuges mehrere Schüsse abgegeben werden können (Vollautomaten) oder durch einmalige Betätigung des Abzuges jeweils nur ein Schuss abgegeben werden kann (Halbautomaten)
Repetierwaffen: Schusswaffen, bei denen nach Abgabe eines Schusses über einen von Hand zu betätigenden Mechanismus Munition aus einem Magazin in das Patronenlager nachgeladen wird
Einzelladerwaffen: Schusswaffen ohne Magazin mit einem oder mehreren Läufen, die vor jedem Schuss durch Einbringen der Munition in das Patronenlager oder eine Lademulde von Hand geladen werden
Langwaffen: Schusswaffen, deren Lauf und Verschluss in geschlossener Stellung insgesamt länger als 30 cm sind und deren kürzeste bestimmungsgemäß verwendbare Gesamtlänge 60 cm überschreitet
Kurzwaffen: Schusswaffen, die keine Langwaffen sind
Munition: zum Verschießen aus Schusswaffen bestimmte Patronenmunition (Hülsen mit Ladungen, die ein Geschoss enthalten), Kartuschenmunition (Hülsen mit Ladungen, die kein Geschoss enthalten), hülsenlose Munition (Treibladung und Zündsatz mit oder ohne Geschoss), pyrotechnische Munition (Patronenmunition, bei der das Geschoss einen pyrotechnischen Satz enthält)



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